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Litauen V: Die Künstlerrepublik

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Also bin ich nach Užupis gegangen. Užupis ist schon ein interessantes Fleckchen insofern, als dass es nicht „bloß“ ein Künstlerviertel ist wie in anderen Städten, sondern dass die Bewohner dort ihre eigenen Republik ausgerufen haben. Sie haben sogar einen eigenen Präsidenten (einen ehemaligen Journalisten), eine Flagge und eine Hymne. Am ersten April zelebrieren sie ihren Nationalfeiertag in bunten Kostümen und jeder Besucher bekommt einen Stempel in seinen Reisepass. Schade, dass ich nicht an diesem Tag dort war! Um dorthin zu gelangen, bin ich zunächst außerhalb der alten Stadtmauern entlanggegangen. Das hat mich ganz bemerkenswert an die Ukraine erinnert. Es gab natürlich noch mehr Kirchen, bunte Häuser und einen ganz akzeptablen Park. Užupis ist ziemlich klein; es liegt praktisch in einem Bogen der Vilnia (auch Vilnele genannt), sodass man das Flüsslein überqueren muss, wenn man von Westen kommt. Es gab eine kleine Brücke, an der sich lauter Schlösser befanden, die von Frisc...

Litauen IV: The Morning I Got to Hell

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Für den nächsten Tag hatte ich mir was ganz spezielles ausgedacht. Ich wollte tatsächlich nach Ponar fahren, oder besser Paneriai, wie es in Litauen heißt. Paneriai ist ein Vorort von Vilnius, den man bequem mit dem Zug erreichen kann. Ticketautomaten gab es keine, sodass ich den Fahrschein am Schalter kaufen musste, aber ich konnte mich verständlich machen. Die Fahrt selbst dauerte nur elf Minuten, wobei ich ganz froh war, dass ich das vorher nachgesehen hatte, da der Stopp nicht angekündigt wurde. Dort angekommen musste man erstmal über die Gleise klettern, das hat mich an Tschechien erinnert. Obwohl Paneriai nur zehn Kilometer von Vilnius’ Innenstadt entfernt liegt, ist es fast eine andere Welt. Hier gibt es keine hübschen sanierten Barockgebäude, sondern nur Holzhütten mit kaputten Fenstern, die aussehen, als würden sie jeden Moment zusammenfallen, während die Autos noch aus Sowjetzeiten zu stammen scheinen. Im ersten Moment fühlte ich mich etwas verloren, da die Gedenkstät...

Litauen III: Vilne

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Am nächsten Tag habe ich mich aufgemacht, das jüdische Vilnius, Vilne auf Jiddisch, zu erkunden. Wie der Zufall es so will, war ich genau siebzig Jahre nach Beginn des Russlandfeldzuges und der Errichtung des Ghettos nach Vilnius gekommen. Nachdem der starke Regen am Morgen nachgelassen hatte, bin ich zunächst zum Rathaus gegangen, wo sie eine Karte mit Sehenswürdigkeiten des jüdischen Vilnius haben. Eine recht überschaubare Anzahl. Wie ich erwähnte, war Vilnius eine der wichtigsten Städte des aschkenasischen Judentums. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten 100.000 Juden in Vilnius und 240.000 in ganz Litauen. In Vilnius wurde auch das berühmte YIVO gegründet, Abkürzung für yidisher visnshaftlekher institut , das sich heute in New York City befindet. Zuerst wollte ich in das jüdische Museum, das nach dem Vilner Gaon benannt wurde. Der Gaon von Wilna war einer der bedeutendsten Gelehrten des osteuropäischen Judentums, angeblich konnte er schon mit sechs Jahren ...

Litauen II: And She Followed Her Nose to the North

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Also musste es Vilnius sein. Nach neun Monaten Australien war das Budget natürlich reichlich knapp, sodass ich nur fünf Tage gefahren bin, aber Litauen ist ein vergleichsweise günstiges Reiseziel. Der Flug mit Ryanair hat 50 Euro gekostet, ebenso fünf Nächte im Hostel. Backpackers Traum! Der nächste Flughafen, von dem ich fliegen konnte, war Bremen, also wesentlich näher als die Flughäfen, von denen ich sonst fliege: Amsterdam, Köln, Frankfurt… Der Vorteil war auch, dass Ryanair direkt vom Bremer Flughafen abhebt und sein Domizil nicht irgendwo in der Pampa hat. Der Nachteil war, dass der Flug schon um sieben Uhr morgens ging, sodass ich unanständig früh aus dem Bett musste. Es war die kürzeste Nacht des Jahres und ich musste im Dunkeln aufstehen! Da ich frühes zu Bett gehen auch nicht gewöhnt war, hatte ich nur dreieinhalb Stunden geschlafen, normalerweise brauche ich mindestens das Doppelte. Wenigstens war ich einigermaßen aufgeregt, sodass es nicht ganz so schlimm war. D...